Sonntag, 9. Oktober 2016

Silberberg. Altenahr.

Auf den Spuren des kalten Krieges.

Der ehemalige Regierungsbunker im Ahrtal öffnete seine atombombensicheren Tore als Museum. Teilbereiche der Anlage stehen den Besuchern offen. Genau genommen 203 Meter von insgesamt 17 Kilometer. Für den Träger der Dokumentationsstätte, den Heimatverein Alt-Ahrweiler, ist dies Herausforderung und Verantwortung zugleich, denn die Mitarbeiter begleiten auf ihrer ca. 1,5-stündigen Bunker-Führung durch eine unterirdische Welt, die noch bis vor kurzem strenger Geheimhaltung unterlag.

In zwei Eisenbahntunneln im Ahrgebirge befand sich jahrzehntelang eines der wohl bestgehüteten Geheimnisse der alten Bundesrepublik. Der Regierungsbunker, in den sich im Krisenfall die deutsche Staatsführung aus dem nahen Bonn zurückgezogen hätte. Die Anlage brauchte zwischen 1960 und 1972 nicht weniger als zwölf Jahre, um überhaupt gebaut zu werden.
An dieser Kälteanlage war der Berichterstatter in den 80 er Jahren. Der Haupteingang war damals Marienthal hinter dem Kloster und die unterirdische Strecke wurde mit dem Fahrrad zurückgelegt, das alles natürlich nach ausführlicher Bescheinigung einer Sicherheits- und Unbedenklichkeit Erklärung, hier konnten sage und schreibe 3000 Mitarbeitern 30 Tage lang das Überleben sichern. Und die Weiterführung der Regierungsgeschäfte, vollziehen.

Angeblich das teuerste und geheimste deutsche Bauwerk aller Zeiten. Heute kann man einen Teil davon besichtigen. Und taucht ein mitten in die Zeit des Kalten Krieges, als der Eiserne Vorhang Europa teilte und das Bedrohungsszenario klar war zwischen West und Ost. An manchen Tagen kurz vor Zwölf.

Ein Zeitensprung in die Phase der Abschreckungspolitik. Es schaudert einen bei der Vorstellung draußen ist alles verschwunden und von hier werden TV Auftritte arrangiert. Ein Atombombenkrieg hätte die vergleichsweise beschauliche Idylle der Bonner Republik zunichtemachen können. Nicht jedermanns Sache, aber auf jeden Fall einen Hingucker wert ist aber auch das Mobiliar jener Zeit.

Hundert Prozent im Retrolook der Siebziger. Privaträume des Kanzlers und die Sitzgruppe des Bundespräsidialamtes sind noch erhalten.

Eine umfangreiche Dokumentation und Originalgegenstände am Originalschauplatz informieren über dieses Kapitel deutscher Geschichte, das Teil eines weltweiten Drohszenarios der Supermächte in Ost und West war. Seine Planung reicht bis ins Jahr 1950 zurück, Bundeskanzler Dr. Konrad Adenauer war vom Anfang an mit einbezogen. Federführend war das Bundesinnenministerium, das sich nach jahrelanger Standortsuche für zwei Eisenbahntunnel der ehemaligen, unvollendeten strategischen Bahn durch das Ahrgebirge entschied. 
Dort, wo 1962 am Kuxberg mit dem Bunkerausbau begonnen wurde, endet die Geschichte des Ausweichsitzes der Verfassungsorgane auch wieder und wechselt ins museale Zeitalter. Hier lag der Zugang zu den wesentlichen Bereichen der Regierung, die sich mit einer Überdeckung von bis zu 110 Metern im Innenteil befanden, so das Zimmer des Bundeskanzlers, das Bundespräsidialamt oder der Raum für den gemeinsamen Ausschuss aus Bundestag und Bundesrat. Mit der Fertigstellung 1971 war die Bunkeranlage auf 17,3 km gewachsen und umfasste 936 Schlaf- sowie 897 Büroräume. Nach dem Rückbau zwischen 2001 und 2006 sind 203m der ehemaligen Anlage als Dokumentationsstätte erhalten.

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