Auf den Spuren des kalten Krieges.
Der ehemalige
Regierungsbunker im Ahrtal öffnete seine atombombensicheren Tore als Museum.
Teilbereiche der Anlage stehen den Besuchern offen. Genau genommen 203 Meter
von insgesamt 17 Kilometer. Für den Träger der Dokumentationsstätte, den
Heimatverein Alt-Ahrweiler, ist dies Herausforderung und Verantwortung
zugleich, denn die Mitarbeiter begleiten auf ihrer ca. 1,5-stündigen
Bunker-Führung durch eine unterirdische Welt, die noch bis vor kurzem strenger
Geheimhaltung unterlag.
In zwei
Eisenbahntunneln im Ahrgebirge befand sich jahrzehntelang eines der wohl
bestgehüteten Geheimnisse der alten Bundesrepublik. Der Regierungsbunker, in
den sich im Krisenfall die deutsche Staatsführung aus dem nahen Bonn zurückgezogen
hätte. Die Anlage brauchte zwischen 1960 und 1972 nicht weniger als zwölf
Jahre, um überhaupt gebaut zu werden.
An dieser
Kälteanlage war der Berichterstatter in den 80 er Jahren. Der Haupteingang war
damals Marienthal hinter dem Kloster und die unterirdische Strecke wurde mit
dem Fahrrad zurückgelegt, das alles natürlich nach ausführlicher Bescheinigung
einer Sicherheits- und Unbedenklichkeit Erklärung, hier konnten sage und
schreibe 3000 Mitarbeitern 30 Tage lang das Überleben sichern. Und die
Weiterführung der Regierungsgeschäfte, vollziehen.
Angeblich das
teuerste und geheimste deutsche Bauwerk aller Zeiten. Heute kann man einen Teil
davon besichtigen. Und taucht ein mitten in die Zeit des Kalten Krieges, als
der Eiserne Vorhang Europa teilte und das Bedrohungsszenario klar war zwischen
West und Ost. An manchen Tagen kurz vor Zwölf.
Ein
Zeitensprung in die Phase der Abschreckungspolitik. Es schaudert einen bei der
Vorstellung draußen ist alles verschwunden und von hier werden TV Auftritte arrangiert.
Ein Atombombenkrieg hätte die vergleichsweise beschauliche Idylle der Bonner
Republik zunichtemachen können. Nicht jedermanns Sache, aber auf jeden Fall
einen Hingucker wert ist aber auch das Mobiliar jener Zeit.
Hundert
Prozent im Retrolook der Siebziger. Privaträume des Kanzlers und die Sitzgruppe
des Bundespräsidialamtes sind noch erhalten.
Eine
umfangreiche Dokumentation und Originalgegenstände am Originalschauplatz
informieren über dieses Kapitel deutscher Geschichte, das Teil eines weltweiten
Drohszenarios der Supermächte in Ost und West war. Seine Planung reicht bis ins
Jahr 1950 zurück, Bundeskanzler Dr. Konrad Adenauer war vom Anfang an mit
einbezogen. Federführend war das Bundesinnenministerium, das sich nach
jahrelanger Standortsuche für zwei Eisenbahntunnel der ehemaligen, unvollendeten
strategischen Bahn durch das Ahrgebirge entschied.
Dort, wo 1962 am Kuxberg mit
dem Bunkerausbau begonnen wurde, endet die Geschichte des Ausweichsitzes der Verfassungsorgane
auch wieder und wechselt ins museale Zeitalter. Hier lag der Zugang zu den
wesentlichen Bereichen der Regierung, die sich mit einer Überdeckung von bis zu
110 Metern im Innenteil befanden, so das Zimmer des Bundeskanzlers, das
Bundespräsidialamt oder der Raum für den gemeinsamen Ausschuss aus Bundestag
und Bundesrat. Mit der Fertigstellung 1971 war die Bunkeranlage auf 17,3 km
gewachsen und umfasste 936 Schlaf- sowie 897 Büroräume. Nach dem Rückbau zwischen
2001 und 2006 sind 203m der ehemaligen Anlage als Dokumentationsstätte
erhalten.
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