Freitag, 2. Juni 2017

Berlin - Neukölln.

Neu in Neukölln: Restlos ausgebucht, restlos lecker, restlos glücklich.
Der Koch Daniel Roick wirbelt in der kleinen Küche umher, er schöpft aus dem großen Kochtopf mit einer Kelle eine pikante Karottensuppe mit Pfefferminzöl Basilikum Wallnüssen und Brotchips. auf die angewärmten Teller, richtet dann gleich das gegrillte Gemüse mit Zitrus und Knoblauch an Paprika Olivenragout Parmesan Pilzschaum und gebackenem Kartoffelstampf als Hauptgang an und kümmert sich auch noch ums Dessert,  Haselnuss Granberry mit flambierten Himbeeren.
Ein Drei-Gänge-Menü kostet 22 Euro, die Gerichte sind auf eine Tafel geschrieben. Zum Essen wird guter Wein serviert, das Ambiente mit Kerzen, unterschiedlichen Tischen und Stühlen sowie unverputzten Wänden passt zum meist jungen Publikum.
Kochen mit krummen Möhren
Roick weiß mittags noch nicht, was er abends für seine Gäste kochen wird. Denn anders als in gewöhnlichen Restaurants bereitet er mit seiner Crew die Menüs im, Restlos glücklich, aus übrig gebliebenen Lebensmitteln zu. Gekocht wird, was anderswo nicht verwendet wird, weil es nicht der Norm entspricht.
Das können Waren sein, die sich nur schlecht verkaufen lassen: zu krumme Möhren, viel zu große Zucchini, Süßkartoffeln, die an einigen Stellen beschädigt sind, stark verzweigte Ingwerknollen. Üblicherweise landen solche Lebensmittel im Müll. Im Restaurant Restlos glücklich werden sie davor bewahrt. Der Koch lässt sich anspruchsvolle Menüs dazu einfallen.
Es ist das erste Restaurant in Deutschland, das etwas gegen die massive Lebensmittelverschwendung in diesem Land tut, vorerst nur an einigen Tagen im Monat. Vielleicht bald häufiger. Laut einer Studie landen bundesweit mehr als 18 Millionen Tonnen Lebensmittel auf dem Müll. Demnach wird fast ein Drittel der Lebensmitteleinkäufe in Deutschland weggeworfen. Rein rechnerisch sind das pro Sekunde 313 Kilogramm genießbarer Nahrungsmittel. Oft reicht es schon, wenn sie nicht mehr schön aussehen.
Nach dem Vorbild des Restaurants Rub&Stub in Kopenhagen, wo schon länger mit aussortierten Lebensmitteln gekocht wird, entwickelte der Verein einen Businessplan und sammelte per Crowdfunding 30.000 Euro Startkapital. Ein geeignetes Lokal fand er als Untermieter in der Kienitzer Straße.
Der kulinarische Anspruch ist hoch gesetzt.

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