Neu in Neukölln: Restlos
ausgebucht, restlos lecker, restlos glücklich.
Der Koch Daniel Roick
wirbelt in der kleinen Küche umher, er schöpft aus dem großen Kochtopf mit einer
Kelle eine pikante Karottensuppe mit Pfefferminzöl Basilikum Wallnüssen und
Brotchips. auf die angewärmten Teller, richtet dann gleich das gegrillte Gemüse
mit Zitrus und Knoblauch an Paprika Olivenragout Parmesan Pilzschaum und gebackenem
Kartoffelstampf als Hauptgang an und kümmert sich auch noch ums Dessert, Haselnuss Granberry mit flambierten Himbeeren.
Ein Drei-Gänge-Menü
kostet 22 Euro, die Gerichte sind auf eine Tafel geschrieben. Zum Essen wird
guter Wein serviert, das Ambiente mit Kerzen, unterschiedlichen Tischen und
Stühlen sowie unverputzten Wänden passt zum meist jungen Publikum.
Kochen mit krummen Möhren
Roick weiß mittags noch
nicht, was er abends für seine Gäste kochen wird. Denn anders als in
gewöhnlichen Restaurants bereitet er mit seiner Crew die Menüs im, Restlos
glücklich, aus übrig gebliebenen Lebensmitteln zu. Gekocht wird, was anderswo
nicht verwendet wird, weil es nicht der Norm entspricht.
Das können Waren sein,
die sich nur schlecht verkaufen lassen: zu krumme Möhren, viel zu große
Zucchini, Süßkartoffeln, die an einigen Stellen beschädigt sind, stark
verzweigte Ingwerknollen. Üblicherweise landen solche Lebensmittel im Müll. Im
Restaurant Restlos glücklich werden sie davor bewahrt. Der Koch lässt sich
anspruchsvolle Menüs dazu einfallen.
Es ist das erste
Restaurant in Deutschland, das etwas gegen die massive
Lebensmittelverschwendung in diesem Land tut, vorerst nur an einigen Tagen im
Monat. Vielleicht bald häufiger. Laut einer Studie landen bundesweit mehr als 18
Millionen Tonnen Lebensmittel auf dem Müll. Demnach wird fast ein Drittel der
Lebensmitteleinkäufe in Deutschland weggeworfen. Rein rechnerisch sind das pro
Sekunde 313 Kilogramm genießbarer Nahrungsmittel. Oft reicht es schon, wenn sie
nicht mehr schön aussehen.
Nach dem Vorbild des
Restaurants Rub&Stub in Kopenhagen, wo schon länger mit aussortierten
Lebensmitteln gekocht wird, entwickelte der Verein einen Businessplan und
sammelte per Crowdfunding 30.000 Euro Startkapital. Ein geeignetes Lokal fand
er als Untermieter in der Kienitzer Straße.
Der kulinarische Anspruch
ist hoch gesetzt.
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