Donnerstag, 11. August 2016

Beelitz.

Wandern in die Vergangenheit und auf dem Baumkronenpfad.

Wanderleitung: Mutter
Infos aus dem Internet, wie verbringe ich meine Ferien in Berlin.
Die Landesversicherungsanstalt Berlin kaufte im Jahre 1898 von der Stadt Beelitz ein etwa 140 Hektar großes Waldgelände für den Bau einer Lungenheilanstalt und eines Sanatoriums. Ende des 19. Jahrhunderts machte die Medizin, auf dem Gebiet der Behandlung von Lungentuberkulose gute Erfahrungen mit Kuraufenthalten an Orten mit sauberer Luft.
Rund um Beelitz, etwa 50 Kilometer von der Berliner Innenstadt entfernt, schien den Verantwortlichen der beste Platz zu sein. In zwei Bereichen nördlich der Bahnlinie entstanden die Lungenheilstätten, südlich gelegen Bereiche für Sanatorien zur Behandlung nicht ansteckender Krankheiten. Die Bereiche waren jeweils nach Geschlechtern getrennt: links der Landstraße die Frauen-Heilstätten und -sanatorien, rechts die Männer. Teilweise sind Gebäude des Männertrack heute renoviert.


Im Frühjahr 1902 fand die erstmalige Belegung der neuerbauten Heilstätten mit einer Kapazität von 600 Betten statt. Doch die Kapazität reichte bei der damals sprunghaft ansteigenden Zahl von Lungenkranken schon bald nicht mehr aus. Im Jahre 1904 wurde von der LVA beschlossen, weitere Krankenhausbauten zu errichten.

In den Erdgeschossen von Pavillons befanden sich Wirtschaftsräume, Patienten-Aufenthaltsräume sowie Besuchszimmer. Im Dachgeschoss waren Bediensteten Wohnungen eingerichtet und unter dem obligatorischen Dach Turm war Platz für einen großen Wasserbehälter, der per Druck die Wasserversorgung aufrechterhielt.
Vor den Pavillons befanden sich Liegehallen, denn zur Tuberkulosebehandlung der damaligen Zeit gehörte die sog. Liegekur, das stille Liegen an frischer Luft. Dafür wurden insgesamt zwischen 250 und 350 Meter lange Liegehallen errichtet.



Oberstes Ziel der Behandlung in den Heilstätten war die Verhütung von Invalidität und die Wiederherstellung von Erwerbsfähigkeit von Kanzler Bismarck erwünscht.
1903 wurde das Heizkraftwerk zurzeit größte seiner Art im Deutschen Reich bereits mit Kraft-Wärme-Kopplung betrieben. Enorme Logistik war notwendig 1200 Patienten zu versorgen. Für die Eigenversorgung der Heilstätten gab es eine Bäckerei eine Fleischerei sowie die Obst- und Gemüseanbaufläche die vergrößert wurden durch zwei Gutshöfe. Kurz nach Beginn des Ersten Weltkrieges, am 3. August 1914, wurden alle transportfähigen Patienten aus den Heilstätten entlassen, da das Klinikgelände zum Vereinslazarett des Roten Kreuzes wurde.

Da sich 1920 auch das Stadtgebiet Berlins per Gesetz erheblich vergrößerte, wurden der LVA immer mehr Pflegebedürftige zugewiesen. Dies führte zu Kapazitätsengpässen in Beelitz. Für die nächsten drei Jahre wurden nur noch Frauen in die Heilstätte aufgenommen. Männliche Patienten wurden in Heilstätten an der See oder ins Gebirge verschickt. Die Inflation 1923 zwang die Heilstätten zum Aufnahmestopp. Fast ein Jahr lang standen die Heilstätten leer. Mit Lagebesserung und Wiedereröffnung 1924 wurden dann auch wieder Männer als Patienten aufgenommen.

General Walther Wenck konnte mit der Infanteriedivision Scharnhorst etwa 3000 Verwundete und das Personal der Beelitzer Heilstätten retten, und deren Abtransport nach Westen organisieren. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, in dem die Heilstätten teils schwer beschädigt wurden, übernahm die Roten Armee 1945 das Arsenal. Die Heilstätten dienten bis 1994 als das größte Militärhospital der sowjetischen Armee außerhalb der Sowjetunion. 1990 war Honny hier Patient. Wenn man bedenkt, das zu diesem Zeitpunkt noch auf dem Gelände kein Wandalismus herrschen konnte so ist doch in kurzer Zeit viel zerstört worden und von der Natur zurückerobert.
Wir sind Gottseidank kein Patient sondern nach der Führung haben wir Zeit und Muße den Baumkronenpfad zu erkunden. Tolle Aussichten.



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