Freitag, 3. August 2012

Berlin, Reichstagsufer 17.

Die im Bild zu sehende Dame möchte einen Ausreiseantrag stellen, bzw. ausgeschleust werden. Die Gründe waren folgende:
Die ganze Woche nicht kochen, von morgens bis abends unterwegs, Kilometer um Kilometer, und dann auch noch die Orientierung behalten, das sind
Grenz Erfahrungen.

Eine Dauerausstellung unter diesem Motto, Grenz Erfahrung, Alltag der deutschen Teilung im sogenannten Tränenpalst.
Abschied und Sehnsucht, Hoffnung und Verzweiflung, Freude und Angst: Vielfältige persönliche Erfahrungen und Emotionen verbinden sich mit dem 1962 errichteten Gebäude am Bahnhof Friedrichstraße in Berlin. Die Abfertigungshalle diente der SED-Diktatur bis 1990 für die Ausreise aus der DDR nach West-Berlin. Als Ort schmerzvoller Trennungen hieß der architektonisch moderne Pavillon aus Stahl und Glas im Berliner Volksmund bald Tränenpalast.

Hier erlebten Deutsche aus Ost und West unmittelbar, wie stark sich Kalter Krieg und Teilung auf ihr Leben auswirkten. Der Abschiedsschmerz nach der Begegnung mit Angehörigen und Freunden aus dem anderen Teil Deutschlands beherrschte die Gefühle. Wut und Angst während der schikanösen Kontrollen kamen hinzu. Sehnsucht und Verzweiflung erfassten viele Ostdeutsche, für die diese Grenze dauerhaft geschlossen schien.

Zusammenbrüche aus Erschöpfung vor dieser Tür. Eine Original-Kontrollkabine lässt die Abfertigungssituation erahnen. Zusammenbrüche aus Erschöpfung und mehr als 200 Todesfälle belegen, dass auch ein legaler Grenzübertritt am Bahnhof Friedrichstraße eine Tortur war. Für uns eine Tortur den Massen an Touristen über Schleichwege aus dem Weg zu gehen, schließlich wollten wir im Glashaus, Ecke Ritterstraße, noch jugoslawisch Essen.

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